Kindermodel, wie werd ich das ?

Wenn ein Kind vor die Kamera will, um einmal in einem Werbespot mitzuspielen oder sich für den neusten Modekatalog ablichten lassen möchte, können Vermittlungsagenturen weiterhelfen. Doch Vorsicht vor dubiosen Methoden und Abzocke!

„Ich sag’ dazu Fruchtalaaaarm!“, rief die kleine Mia-Sophie vor zwei Jahren in einem Werbespot für einen großen Joghurt-Hersteller laut in die Kamera und verzückte dabei mit ihrem Lachen viele Fernsehzuschauer in Deutschland. Die 8-jährige Tochter der Schauspielerin Susanna Wellenbrink ist mit diesem Werbe-Auftritt berühmt geworden. Seit zwei Jahren strahlt sie nun in vielen deutschen Städten von Plakatwänden, dreht Werbespots und hat bereits eine eigene CD herausgebracht.
Mia-Sophie kommt bei den Zuschauern so gut an, weil sie schon im zarten Alter von acht Jahren wie eine kleine Entertainerin agiert. Außerdem macht sie ihre lustig-freche Art sympathisch.
Solche Eigenschaften sind entscheidend, wenn Kinder Werbestar, Katalog-Model oder Schauspieler werden wollen, sagt Sabine Heymann von „Agenturkids“ Berlin, einer Agentur zur Vermittlung von Kinder- und Jugenddarstellern. „Sie müssen irgendetwas ganz Besonderes haben, seien es viele Sommersprossen oder, dass das Kind Einrad fahren kann“, sagt die Agenturleiterin.

Doch diese Besonderheiten, die manche Kinder gegenüber anderen haben, reichen allein nicht aus. „Die Kinder müssen Lust darauf haben, sonst macht es keinen Sinn“, sagt Sabine Heymann. Die Jungen und Mädchen, die sich bei ihr vorstellen, dürfen dabei vor allem keine Angst haben, sich vor laufenden Kameras zu bewegen, verrät die Berlinerin. Denn die „Agenturkids“ vermittelt hauptsächlich Kinder für Werbefilme und Spielfilmrollen.
Kindermodels für beispielsweise Kataloge von großen Modeherstellern werden zumeist von den Unternehmen selbst gecastet, erklärt Sabine Heymann. Ausgesucht werden die Models meist deutschlandweit. Nur sehr wenige Agenturen vermitteln zu solchen Castings (hier finden Sie Agenturen: http://www.branchen-baer.de)

Trotzdem ist die Chance, von Produzenten oder Fotografen entdeckt zu werden, mithilfe von Agenturen wie den „Agenturkids“ größer. „Vorstellen kann sich bei uns jeder, der Lust hat“, versichert Sabine Heymann. Bevor jedoch zum ersten Mal die Scheinwerfer hinter den Kameras aufleuchten, erfolgt ein Beratungsgespräch mit Kind und Eltern.
„Danach machen wir professionelle Fotos im Studio“, sagt sie. Die Bilder und Angaben über die besonderen Eigenschaften des Kindes landen schließlich als so genannte „Sedcard“ (siehe Infokasten) in einer Datenbank.

Kosten entstehen für die Aufnahme in die Firmenkartei sowie für die Fotos. Mehr Informationen dazu gibt es im Internet (siehe Weblinks). „Wir könnten die Kinder auch kostenlos aufnehmen, doch dann müssten sie gleich gute Fotos von sich mitbringen“, sagt Sabine Heymann. Vorabbilder, wie sie nur ein professioneller Fotograf macht, sind mindestens genauso teuer, ist sie überzeugt.

Für Kinder, die es einmal bis in die Datenbank einer Agentur geschafft haben, heißt es im Anschluss: warten. „Wir haben einen breiten Kundenstamm an Filmemachern und Produzenten“, sagt Sabine Heymann. Wenn diese auf der Suche nach jungen Talenten sind, wenden sie sich an die Agentur. „Je nach Kunde selektieren wir vorab und laden die Kinder, die geeignet sind, zu einem Casting ein“, erklärt die Agenturleiterin. Die Jungen und Mädchen, die sich dann durchsetzen dürfen in den meisten Fällen mit einem finanziellen Honorar für ihre Arbeit rechnen.
Doch Sabine Heymann macht klar, dass die Kinder nicht „vermarktet“ werden, um den Verdienst zu steigern. „Wir haben als Agentur auch eine soziale Verantwortung“, sagt sie. Außerdem bringt es keinen Erfolg, die Kinder zur Arbeit zu zwingen. „Wenn sie keine Lust haben, vor der Kamera zu stehen, werden die Filme auch nicht gut“, sagt Sabine Heymann.

Es gibt trotzdem Agenturen, vor denen Verbraucherschützer warnen, weil sie mit unlauteren Methoden arbeiten und dabei die Kinder zur eigenen Bereicherung ausnutzen. Dabei muss unterschieden werden zwischen Vermittlungsagenturen, wie „Agenturkids“, die lediglich zum Casting vermitteln und Castingagenturen, die direkt zum Vorsprechen oder Vorspielen einladen.
Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg gibt Tipps, woran Eltern in erster Linie seriöse Castingagenturen erkennen: „Seriöse Agenturen nehmen bei einem Casting nicht vorab Geld, sondern frühestens, wenn das Kind genommen wird“, sagt sie. Außerdem sollte Abstand von „Massen-Castings“ in Hotels oder großen Hallen genommen werden, rät die Mitarbeiterin der Verbraucherzentrale.

Ein weiterer wichtiger Hinweis betrifft Fotos der Kinder, die Agenturen nutzen: Einige Agenturen veröffentlichen Bilder im Internet, verlangen dafür eine Gebühr und versprechen einen schnellen Vermittlungserfolg, der meist aber nicht eintritt, sagt Sabine Fischer.
 „Die Bilder dürfen nicht im Internet vorab veröffentlicht werden“, warnt sie. Das gefährdet den Jugendschutz im Netz.

Weitere Informationen dazu geben die zuständigen Verbraucherzentralen oder die jeweiligen Arbeitsagenturen (siehe Weblinks). „Hier sind meist Agenturen bekannt, die schon einmal negativ aufgefallen sind“, sagt Sabine Fischer.

http://www.branchen-baer.de

Autor: Ulrich Zoeger

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