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Das Vorbild Jesus und warum die Menschen ihn bis heute nicht verstanden haben
Das Buch „Die Seele Gottes“ geht mit den christlichen Konfessionen hart ins Gericht

Schaut man sich den Büchermarkt an, so scheint das Thema „Religion und Christentum“ ausdiskutiert zu sein. Wozu noch ein weiteres Buch? Wer Helmut Rittirsch´s Buch „Die Seele Gottes“ liest, findet darauf eine Antwort, denn was der ehemalige Pastor uns in seinem Buch anbietet, ist für die meisten Gläubigen schwerstverdauliche Kost.

Bereits der folgende Satz wird von manchem womöglich als skandalös bezeichnet werden: „Es gibt keinen objektiven Standpunkt“, schreibt Rittirsch, „denn alles durchläuft zuerst unsere ganz persönliche Wahrnehmung und verliert dadurch seine ursprüngliche Unschuld.“

Rittirsch provoziert. Doch jeder Satz ist wohlüberlegt und zieht den interessierten Leser in seinen Bann. Man merkt, dass die Dinge hier nicht einfach nur behauptet werden, nein, sie sind durchlebt und bis ins letzte Detail durch die eigene Betroffenheit geadelt.

Weiter heißt es da: „Wie konnten wir nur je auf die Idee kommen, dass wir glaubten zu wissen, wer oder was Gott ‚da draußen’ wirklich ist?“

Rittirsch´s engagiertes Erstlingswerk kommt erfrischend wagemutig daher, ist aber auch provozierend und an manchen Stellen sollte man es gleich zweimal lesen, denn die Sätze sind gehaltvoll, der Stil ist klar, detailliert, ehrlich – jedoch niemals oberflächlich.

Gerade dadurch wird man angehalten, genauer zu lesen, und den beschriebenen Dingen ausführlich nachzuspüren. Das Buch erfüllt einen an sich selbst gesetzten Anspruch mit Bravour: Es ist gründlich, und dadurch im wahrsten Sinne des Wortes „anspruchsvoll“, dazu ist es authentisch, verspielt, eloquent, und doch niemals belehrend.

Rittirsch hebt hervor, dass es im Grunde nie seine Absicht war, die Kirche anzugreifen. „Es geht einzig und allein um den Widerspruch in Wort und Tat, den insbesondere die christlichen Gemeinschaften noch heute an den Tag legen.“

Es muss aber gar nicht die christliche Kirche sein; überall dort, wo Unaufrichtigkeit und Selbsttäuschung herrscht, ist es erforderlich, seine Stimme zu erheben. Es ist ein nur allzu menschliches Problem, dem wir hier nachspüren dürfen, mit dem Ziel, schließlich zu mehr Authentizität und Ehrlichkeit im Umgang mit uns selbst und unserer Umwelt zu gelangen.

Wer ist der Autor?

Helmut Rittirsch war viele Jahre Mitglied einer strengen, konservativen Glaubensgemeinschaft. Erst nach und nach gelang es ihm, sich neuen, weiteren Horizonten zu öffnen, einfach dadurch, weil ihm mehr und mehr deutlich wurde, wie wenig das, was er glaubte, mit seiner ‚inneren Wahrheit’ zu tun hatte.

„Natürlich“, so Rittirsch, „kann und soll jeder glauben, was er möchte“. Doch ließe sich nur allzu leicht beobachten, dass unzählige Menschen sich selbst gegenüber unehrlich sind. Schon viel zu lange haben sie nicht mehr danach gefragt, ob sich ihre Glaubensüberzeugungen ‚authentisch’ anfühlen. Oder in wie weit diese überhaupt noch gegenüber dem eigenen inneren, intuitiven Wissen haltbar sind. Doch dieses Wissen gilt es, wieder zu erwerben, oder besser – es wiederzuentdecken.

Das Buch „Die Seele Gottes“ rührt an tief in uns liegende Grundsatzfragen, die letztendlich jeden betreffen. Doch die Erörterung dieser Fragen geschieht hier – und das macht die Stärke dieses Buches aus – auf beinahe unwiderstehliche, überaus konsequente und folgerichtige Art und Weise: „Wenn wir Gott erleben wollen, dann geht das wohl nur über uns selbst.“

Dabei unterzieht das Buch die allgemeine Wahrnehmung der Menschen einer eingehenden Prüfung. Auffallend schnörkellos und ohne jede Schönfärberei werden die Glaubensmuster der Christen als Spiegelbild und Wunschgebilde der eigenen Entscheidungen entlarvt. Diese werden niemals von außen (also von Gott) an uns heran getragen, sondern tragen immer und ohne jede Ausnahme den Stempel unserer „menschlichen Angewohnheiten“ und unserer eingeschränkten, engen Blickrichtungen.

Rittirsch setzt aber dabei noch einen drauf: „Es kann ja gar nicht anders sein – und warum auch sollte es anders sein?“ Und genau dieser Punkt trifft – und ist vielleicht die entscheidende These in diesem Buch. Denn letztlich sind es die Menschen selbst, die sich zu ihrer „ihnen innewohnenden Göttlichkeit“ wieder neu bekennen müssen, gleichzeitig aber auch zu ihrer Unvollkommenheit. Das Leben ist ein Werden, kein Stillstand; eine Weiterentwicklung, jedoch kein fest stehender, endgültiger Standpunkt.

So sind wir Menschen folglich eingeladen, uns selbst als die „Seelen Gottes, die wir sind“ (so Rittirsch´s provokanter Ansatz) frei zu entfalten, und unser Leben nicht nach feststehenden, dogmatischen und lebensverneinenden Glaubenssätzen einzuschränken. Nein, unsere Kreativität ist gefragt, und eben auch genau die Art und Weise, wie wir jene Impulse, die von innen (oder eben von Gott) kommen, nach außen umsetzen werden.

„Gott kommt nicht am Menschen vorbei“, heißt es dazu im Buch, und der Mensch sollte endlich damit beginnen, seine „Göttlichkeit“ anzuerkennen und mutig etwas damit anzufangen.

Die Kontroversen und das Veto der christlichen Kirchen scheinen hier vorprogrammiert. Denn was – so fragt sich der Christ – bleibt am Ende noch von ‚seinem Gott’ übrig, wenn alles, was er bisher geglaubt hatte, den eigenen Wünschen, menschlichen Vorstellungen oder gar Angstgebilden entspringt?

Helmut Rittirsch entzieht sich dieser Frage nicht. Er berichtet ehrlich und völlig ungeschminkt von seinen eigenen Ängsten, insbesondere jener Existenzangst, die ihn bereits als kleines Kind gepeinigt und schier in die Verzweiflung getrieben hatte. Dennoch wusste er, dass dabei etwas geschah und noch geschieht, dass sich in ‚keinen menschlichen Rahmen einfügen lässt’.

Genau an dieser Schwelle nicht stehen zu bleiben, sondern sich seinen Ängsten, seinen Wünschen, seinen Schattenseiten zu stellen, scheint hier die unumgängliche Aufgabe und ein Muss für all diejenigen zu sein, die sich mit „Oberflächlichkeiten“ und „menschlicher Begrenztheit“ nicht mehr länger zufrieden geben wollen, so Rittirsch.

Hierzu schreibt er weiter: „Mein Ziel ist es, dem Leser zu verdeutlichen, wie sehr wir uns oft in ‚gedachte Sackgassen’ begeben, ohne die Konsequenz oder gar die Widersprüche dieser engen Standpunkte zu begreifen. Das Dogma scheitert ja an seinen eigenen Wider- und Ansprüchen, die es selber weder durchschaut, noch überhaupt aufrecht erhalten kann; denn das christlich-konservative Denken weicht schon immer der Frage aus, wer es denn überhaupt ist, der da in uns die Entscheidungen fällt und eine Wahl trifft“.

Im Buch „Die Seele Gottes“ kann man auch nachlesen, wie ein westlicher Denker mit östlichen Weisheiten in Verbindung kommt. In welche Richtung er sich dadurch bewegt, ist mitreißend und spannend. Die Suche nach dem „ersehnten Kontext", zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Immer weiter entwickelt sich dabei die aufkeimende Einsicht, dass das „Göttliche" in einer völlig anderen Art und Weise an die Menschen herantritt und vollkommen anders beschaffen sein muss.

Helmut Rittirsch

Die Seele Gottes

Von der unendlichen Weite bei der Suche nach Gott

ISBN 3-937568-73-5, 244 Seiten, 16,80 €, spirit Rainbow Verlag, Aachen.

Autorenhomepage: www.dieseelegottes.de
Autor: Gudrun Anders

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